Chronik

1888-1914

"Auf vielseitiges Verlangen - zwecks Gründung eines tüchtigen und leistungsfähigen Musikvereines - werden Freunde und Interessenten zu einer öffentlichen Versammlung auf Samstagabend 8 Uhr in das Gasthaus 'Zur Traube' zu zahlreichem Besuch freundlich eingeladen. Der Einberufer."

So stand es im Januar 1906 im Waiblinger Lokalblatt "Remstalbote". Aus dem damals gegründeten Verein hat sich im Laufe der Jahre der größte musiktreibende Verein Waiblingens, das Städtische Orchester Waiblingen e. V. in seiner heutigen Form entwickelt.

Seit 1888 bereits schlossen sich in Waiblingen immer wieder einige Musiker zu kleinen Gruppen zusammen. Zu einem festen Verein hat es jedoch aus finanziellen oder personellen Gründen nie gereicht. Erst knapp 20 Jahre danach, wie der obige Zeitungsartikel belegt, entschloß man sich, einen "Musikverein Waiblingen" ins Leben zu rufen. Die Gründungskapelle von 1906 bestand aus zehn Musikern und spielte in schwäbischer und bayerischer Tracht unter der Leitung von Dirigent Schreiner Hermann Koch.

Orchester 1906 in bayerischer Tracht
Orchester 1906 in bayerischer Tracht

1914-1919

Konzertplakat
Konzertplakat

Schon bald bekam der Verein mehr und mehr Zulauf. 1914 zählte man bereits über 150 Mitglieder. Als Großaktivitäten in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg lassen sich, neben den jährlich stattfindenden Sommer-, Herbstfesten und Weihnachtsfeiern, nennen: Das Gaumusikfest 1910 in Waiblingen, an dem acht Kapellen mit insgesamt 80 Mann teilnahmen, die Fahnenweihe 1912 sowie die Umbenennung in "Stadtkapelle Waiblingen", da man sich mit dieser Bezeichnung mehr Erfolg bei Wettbewerben erhoffte, denn schon damals lautete das Ziel "Streben nach dem Erreichen höherer Stufen".

1919-1950

Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs, im Februar 1919, nahm der Verein seine Tätigkeit offiziell wieder auf, und die Mitgliederzahl wuchs schnell auf 230 an. Sechs Jahre später veranstaltete man in Waiblingen das Bezirksmusikfest mit Wertungsspiel und Umzug, an denen 20 Kapellen aus dem Remsgau beteiligt waren.

Beim 25jährigen Jubiläum 1931 spielte das Orchester mit 24 Musikern bereits in der Oberstufe und errang bei Wettbewerben regelmäßig Erste Ränge.

Blaskapelle 1949
Blaskapelle 1949

1950-1966

Nach der Zwangspause, die das Hitlerregime und der Zweite Weltkrieg mit sich brachten, kam es am 8. Januar 1950 zur zweiten "Gründungsversammlung" und bereits im März erfolgte wieder das erste Platzkonzert. Die Leitung übernahm Musikdirektor Eugen Leibbrand, der sich nicht nur engagiert um das Blasorchester, sondern sich ebenso um die Streicher und die neugegründete Jugendkapelle kümmerte. Bald ließen sich wieder Erfolge verzeichnen, beispielsweise 1953 beim Bezirksmusikfest in Bettringen oder bei den Bundesmusikfesten in Aalen (1954), Ravensburg (1958) und Ludwigsburg (1962), bei denen sich die jetzt rund 35 Waiblinger Musiker jeweils einen Ersten Rang erspielten. Zudem ging der Trend weg von der Bier- und Volksfestmusik, hin zur anspruchsvolleren Unterhaltungsmusik.

Das Blasorchester im Jubiläumsjahr 1956
Das Blasorchester im Jubiläumsjahr 1956

1966-1978

Nach dem Tod von MD Eugen Leibbrand (1966) übernahm für zwei Jahre Gilbert Haney das Amt als Musikdirektor, ehe 1968 der damalige Chef des Heeresmusikkorps 9, Major Philipp Sonntag, die musikalische Leitung im Waiblinger Orchester übernahm. Ihm gelang es, die Waiblinger zu begeistern und dadurch zu höheren Leistungen anzuspornen. So spielte die Stadtkapelle 1969 erstmals in der Kunststufe, der heutigen Höchststufe, und errang auch dort Erste Plätze. Durch diese musikalische Steigerung, schaffte es MD Sonntag das Städtische Orchester (offizieller Name seit Januar 1970) aus dem kleinen Rahmen, auf die große - auch internationale - Bühne zu stellen. So vertrat das Waiblinger Orchester die deutschen Farben beim europäischen Wettbewerb um "Die Goldene Lyra von Vichy" (1974) oder marschierte beim Karneval in Nizza (1977) im Konfettiregen an der Côte d'Azur mit. Ein weiteres wichtiges Anliegen war ihm die Jugendausbildung. 1970 wurde die Musikschule als eigenständige Vereinsabteilung gegründet, in der bald nahezu 100 Mädchen und Jungen unterrichtet wurden.

Großes Blasorchester unter der Leitung von MD Sonntag beim Wettbewerb "Goldene Lyra von Vichy 1974"
Großes Blasorchester unter der Leitung von MD Sonntag beim Wettbewerb "Goldene Lyra von Vichy 1974"

1978-1991

Nach zehnjähriger Tätigkeit gab MD Philipp Sonntag 1978 den Taktstock und die musikalische Leitung im Städtischen Orchester an Professor Richard Zettler weiter. Der neue Musikdirektor setzte nahtlos die Arbeit seines Vorgängers fort. Durch eifrige Arbeit in allen Abteilungen des Vereins (1977 wurde die 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft als neue Abteilung des Vereins gegründet), sowie großes Engagement in der Jugendarbeit konnte er den musikalischen Standard des Waiblinger Orchesters festigen. Neben den erfolgreichen Teilnahmen an weiteren Wertungsspielen, wie 1983 beim Landesmusikfest in Rettenbach oder im schweizerischen Gossau (1989) und der Ausrichtung des 4.Kreisverbands-Musikfestes im Juli 1984, sind auch die Rundfunkaufnahmen 1980 beim SDR in der Villa Berg zu erwähnen. Des Weiteren etablierte sich das Orchester durch verschiedenste Auftritte, wie zum Beispiel seit 1972 regelmäßig bei Partnerschaftstreffen in Devizes / England oder einem Kurkonzert in Bad Überlingen, als musikalischer Botschafter der Stadt Waiblingen.

Das Blasorchester im Jubiläumsjahr 1981
Das Blasorchester im Jubiläumsjahr 1981

1991-1995

Diese Tradition wurde von Frank Greiner als musikalischem Leiter (1991-1995) fortgeführt. Seiner Meinung nach hat ein Blasorchester auch einen kulturellen Auftrag, der sich nicht nur auf das Althergebrachte beschränken dürfte. So eröffnete er - sowohl Musikern wie auch Zuhörern - neben der "klassischen" Blasmusik-Literatur neue Wege der konzertanten Blasmusik.

Zu den musikalischen Höhepunkten seiner Arbeit beim Städtischen Orchester gehörten: die Teilnahme am Wertungsspiel in Wald/Allgäu 1992 (Erster Rang mit Auszeichnung in der Höchststufe), Konzerte mit Soloinstrumenten von der Schreibmaschine bis zu Staubsaugern sowie die Aufführung des "Konzert für Cello und Blasorchester" von Friedrich Gulda zusammen mit Prof. Hans-Christian Schweiker als Solist - gleichzeitig die Uraufführung dieses Werkes durch ein Amateurorchester.

Doch nicht nur musikalisch war Anfang der Neunziger einiges los im Verein. Nach 15 Jahren als Abteilung des Städtischen Orchesters gliederten sich 1992 die Narren– die Waiblinger Faschingsgesellschaft – als eigener, selbständiger Verein aus.

Das Blasorchester 1993
Das Blasorchester 1993

1995-2000

Von 1995 bis 1999 übernahm Manfred Heidler die musikalische Leitung des Vereins. Seinen musikalischen Einstand gab der gebürtige Bayer mit der Aufführung der Carmina Burana auf dem Waiblinger Marktplatz anlässlich der Landeskunstwochen.

Im Jahr darauf, 1996, feierte das Städtische Orchester sein 90jähriges Bestehen. Neben Konzerten aller Abteilungen fand auch das Benefizkonzert des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr großen Zulauf und Beifall des Waiblinger Publikums.

Das Blasorchester 1996
Das Blasorchester 1996

2000-2005

Im Jahr 2000 feierte die Stadt Waiblingen ihr 750jähriges Bestehen – und das Städtische Orchester Waiblingen war voll eingespannt. Musikalischer Höhepunkt war dabei die Aufführung von George Gershwins „Rhapsodie in Blue“ unter Leitung von Vizedirigent Jörg Murschinski, der für einige Monate den Dirigentenstab im großen Blasorchester übernahm. Als Solist am Flügel konnte Walter Ratzek gewonnen werden.

Seit Herbst 2000 hat Roland Ströhm die musikalische Leitung des Städtischen Orchesters übernommen. Unter seiner Stabführung musizierte das Orchester mit Solisten wie Matthias Dangelmaier (Posaune) sowie Britta Weber (Flöte). Durch die Einladung von Gastkapellen wie dem Landesblaorchester im Jahr 2003 und der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck im Jahr 2004 präsentierte er dem Waiblinger Publikum sinfonische Blasmusik nicht nur von "seinen" Musikern, sondern auch von international renommierten Orchestern.

Das Blasorchester 2001
Das Blasorchester 2001

2005-heute

Im Jahr 2006 feierte das Städtische Orchester Waiblingen sein 100-jähriges Bestehen. Das Jubiläumsprogramm war vielfältig wie der Verein selbst: Den Beginn machte der Festakt im Rahmen eines Matineekonzertes am 5. Februar.

Bilder vom Festakt

Wenige Tage später, am 14.Februar, war das Musikkorps der Bundeswehr unter der Leitung von Major Walter Ratzek zu Gast in Waiblingen. Dieses Benefizkonzert war nicht nur ein musikalischer Genuss; der Erlös der Veranstaltung ging zum einen Teil an die Jugendarbeit unseres Vereins, zum anderen wurde die Renovierung der Orgel der Waiblinger Michaelskirche unterstützt. Doch nicht nur musikalische Gäste, auch die Abteilungen des Vereins trugen mit ihren Konzerten einen wichtigen Teil zum Jubiläumsprogramm bei - so die Vertigo Big-Band  und die Sinfonietta.

Bilder vom Konzert der Sinfonietta

Doch das Jubiläum wurde nicht nur im Konzertsaal begangen. Am 13. Mai, im Rahmen des Partnerschaftstreffens in Waiblingen, veranstaltete das Orchester gemeinsam mit der Stadt einen großen Festumzug an dem nicht nur Waiblinger Vereine, sondern auch insgesamt 30 Kapellen aus dem Kreis teilnahmen. Ein besonderes Ereignis dabei war der Massenchor in der Waiblinger Talaue unter der Leitung von Roland Ströhm, sowie dem Ehrendirigenten Prof. Richard Zettler, der seinen Staufer-Marsch dirigierte. 

Bilder vom Festumzug

Tags darauf spielten die beiden Waiblinger Jugendorchester gemeinsam mit dem Orchester aus Mayenne ein Partnerschafts-Jugendkonzert.

Bilder vom Jugendkonzert

Das Große Blasorchester lud sich zum Jubiläum einen Gastdirigenten ein: Johan de Meij. Nach drei Tagen Probenphase mit dem Holländer, präsentierte sich das Orchester am 12. November im ausverkauften Bürgerzentrum. Nachdem im ersten Konzertteil das Orchester unter der Leitung von Roland Ströhm spielte, übernahm Johan de Meij den Taktstock im zweiten Teil und dirigierte eigene Werke und Arrangements.

Bilder vom Jubiläumskonzert mit Johan de Meij

 

Das Blasorchester im Jubiläumsjahr 2006
Das Blasorchester im Jubiläumsjahr 2006